Pre-Omen: 80er Jahre Tapes aus dem  Vogue Club
Eingang vom Frankfurter Vogue Club, ca. 1986. Foto: FNP Archiv.

Pre-Omen: 80er Jahre Tapes aus dem Vogue Club

April 26, 2021 0 Von Alexander Antonakis

Der Vogue Club war in den 80er Jahren neben Locations wie dem Uno oder Plastik eine der feinen Clubbing-Adressen in Frankfurt. Während andernorts der Stadt sprichwörtlich der Punk abging, wurden hier geschmeidige Dance Moves zu Soul-, Boogie-, Italo-, Freestyle-, Funk- und frühen House-Tunes hingelegt. Das klang folgendermaßen …

Wer in den 1980er Jahren ins Vogue wollte, musste erst mal an Werner Südhoff vorbei. Er entschied an der Tür darüber, wer in den Club reinkam und wer nicht und war eine schillernde Persönlichkeit des Nachtlebens. Bereits in den 70er Jahren erlangte Südhoff, der 2008 völlig unerwartet verstarb, als Mitglied der deutschen Disco-Dance-Truppe Chilly Berühmtheit. Die Gruppe landete mit „For Your Love“ einen internationalen Clubhit und lieferte von 1978 bis 1982 insgesamt vier Alben ab. Nachdem das Vogue seine Pforten schloss, umgebaut wurde und im Oktober 1988 unter dem Namen Omen wiedereröffnete, war Südhoff zunächst eine Zeit lang in seinem Club Amadeus direkt um die Ecke der Junghofstraße anzutreffen. Später fungierte er als Bereichsleiter vom „Cotton Club“ des Paramount Parks in Rödermark.

Ich schaffte es erstmalig 1986 im Alter von 15 Jahren in Begleitung meines Vaters ins Vogue und durfte einen noch jungen Sven Väth dabei beobachten, wir er völlig extatisch Luftgitarre spielend ein Solo auf der Tanzfläche hinlegte. Danach war ich noch etwa dreimal mit Freunden dort – Versuche gab es allerdings mehrere. Heiß begehrt und hoch gehandelt in den 80ern waren neben dem Einlass auch Kassetten mit Live-Aufnahmen aus dem Vogue. Einige Tapes bekam ich um 1985 von einem Freund, der sehr gute Kontakte zur Frankfurter „Szene“ hatte. Es sind Mitschnitte, die ich zuhause rauf und runter hörte und die meinen Style als DJ maßgeblich beeinflussten. Erst vor kurzem gelangte ich an vier weitere alte Tapes, die nun ebenfalls in digitalisierter Form auf der Mixcloud-Seite Forgotten Tapes zu finden sind und wunderbar den Diskotheken-Soundtrack der 80er Jahre vermitteln. Press play!

Vogue, 1985

Dieses Tape hat für persönlich einen ganz besonderen Wert, da es mich in den 80ern musikalisch und hinsichtlich des DJ-Handwerks sehr beeinflusste. Denn neben der sehr guten Track-Auswahl schätze ich bis heute die tighten Übergange und fragte mich stets, welcher DJ diesen Mix seinerzeit wohl angefertigt hat. Seite A ist vom Tempo eher im Mittelfeld anzusiedeln. Mit dabei sind Stücke von Yarbrough & Peoples, Jenny Burton, Real to Reel, Cheryl Lynn, Krystol und alle voran ein Stück das für mich den Mid-80er-Dance-Sound perfekt repräsentiert: „Somebody Else’s Guy“ von Joceyln Brown. Auf Seite B wird die Geschwindigkeit mit Tracks von Tony Lee, The Concept, Dazz Band, Captain Rapp und weiteren euphorischen Tunes angehoben. Die Mixing-Skills sind für die Zeit einfach phänomenal.


Vogue, Juni 1985

Ein weiteres Tape, das ich 1985 von besagten Freund aufgenommen bekam. Den zweiten Track auf Seite A suchte ich tatsächlich über Jahrzehnte, bis ich über eine ebay-Auktion herausfand, dass es sich um „Goin‘ out Dancing“ von den Charades asu dem Jahr 1984 handelt. Auch bei diesem Mix zeigt sich, dass der DJ was draufhat. Der Sound geht dann schnell in Richtung Italo Electro und Freestyle. Auf der B-Seite wird es wieder etwas funkiger. Dann noch ein Song, den ich absolut liebe: „“Take Your Heart Away“ von Kleeer, ein Track, der mir bis heute Gänsehaut bereitet. Darauf folgt Rosetta Browns „Don’t Make Tracks“, dessen Dub von der New Yorker DJ-Legende Danny Krivit stammt. Bemerkenswert ist hier im weiteren Verlauf ein Übergang zu „Axel F“ von Harold Faltermayer, der den Weg erneut in Richtung Uplifting-Italo und Hi-Energy ebnet.


Etwas Artwork für Zwischendurch …


Vogue, August 1985

Los geht dieser Mitschnitt mit einem typischen 80er-Smasher, der seinerzeit in den Clubs auf Rotation lief: „What’s Your Name“ von Zinno. Es folgen Coverversionen von Patti Jos „Make Me Believe In You“ aus dem Jahr 1985 von Chantelle und einer des Disco-Hits „Movin'“ von Brass Construction. Dann plötzlich Rick Springfields „Celebrate Youth“, bevor es mit Italo Disco weitergeht. Auf der B-Seite wird das Thema zunächst weitergeführt, bis das Tempo mit „Fly On The Windscreen“ von Depeche Mode herausgenommen wird. Dann wird es wieder etwas flotter und der Tempi- und Stil-Wechsel zieht sich durch bis zum Schluss.


Vogue, Novemer 1985

Frankfurt Sound! „Generator 7/8“ von Moskwa TV läutet diesen Mix ein. Es folgt ein Schlagabtausch mit Oldschool Electro Hip Hop, Freestyle, Disco, Italo und Funk. Insgesamt eine bunte Mischung inklusive Stücke von u.a. Grace Jones, Miquel Brown, Aretha Franklin auf der zweiten Seite. Eine recht wilde Angelegenheit.


Vogue, September 1986

Wir schreiben das Jahr 1986 und man hört sofort, da ist etwas einschneidendes geschehen: House Music eroberte die Dancefloors des Landes. Während auf der A-Seite erneut Moskwa TV ertönt und das Konzept Freestyle dominiert, geift der DJ auf der B-Seite immer mehr zu Platten wie C-Banks „Nightmare Of A Broken Heart“, Electric Baile“ von Masterplan und weiteren Tracks wie Mr. Lees „Shoot Your Best Shot“. Doch bei aller revolutionärer Frische des damaligen neuen Sounds aus Übersee, für die stringente Auswahl der maschinell produzierten House-Tracks war es noch ein bisschen zu früh, was im weiteren Verlauf des Tapes mehr als deutlich wird.

Vogue, Dezember 1986

Jaaa, das Tape startet mit „You Got The Love“ von The Source feat. Candi Staton, einem absoluten Dance-Klassiker, der von Florence + The Machine 2009 neuinterpretiert wurde. Bekannt dürfte einigen sicherlich die nächste Nummer von Tony Lee sein, dessen „Reach Up“ im Jahr 1999 in Phats & Smalls Hit „Turn Around“ als Sample auftaucht. Und auch hier zeigt sich, dass der House-Sound in Frankfurter Clubs mittlerweile nicht mehr wegzudenken war. Doch immer noch partiell eingesetzt. Was teils zu zu echt schrägen Übergangen wie von Densise Mottos „IMNXTC“ zu „I Really Didn’t Mean It“ von Luther Vandross führte. Ebenfalls vertreten: „Electrica Salsa“ von Off, das Projekt, dass Sven Väth zum Popstar machte.

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